Mit Nicko Cruises entspannt durch Mitteldeutschland: in 8 Tagen von Potsdam über Hannover nach Münster

Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich auf einem Flussschiff durch Deutschland fahren würde. Aber Corona und zahlreiche Einschränkungen/Unklarheiten haben dazu geführt, dass ich auf Einladung der »nicko cruises Schiffsreisen GmbH« mit dem Flusskreuzfahrtschiff »MS Katharina von Bora« von Potsdam nach Münster schippern durfte.

Weil es am schlausten ist, bei verschieden Start- und Zielpunkten mit dem Zug anzureisen, lasse ich mich auf das Wagnis »Deutsche Bahn« ein. Der angekündigte GDL-Streik wird umgangen, trotzdem fällt gleich der erste Zug aufgrund technischer Probleme aus. Dank der besten Nachbarin der Welt wird der wichtige Zug nach Hamburg-Altona doch noch pünktlich erreicht, von wo es mit dem EC weiter nach Berlin geht. Hier folgt das nächste Drama, denn das Sitzplatz-Buchungssystem der Deutschen Bahn ist nicht identisch mit den Sitzplätzen der tschechischen EC-Wagen, so dass nebeneinander gebuchte Sitzplätze diverse Reihen voneinander entfernt sind. Daraufhin werden nach jedem Halt zwischen Hamburg und Berlin fleißig die Sitzplätze getauscht.
Ab Berlin läuft die Weiterfahrt nach Potsdam mit der Regionalbahn reibungslos, was bei einer 20 minütigen Fahrt ohne Umstieg allerdings auch nicht schwer sein sollte. Entspannt mit der Bahn in den Urlaub funktioniert in jedem Land der Welt – aber nicht in Deutschland.

Tag 1: Potsdam – Einschiffung auf der nicko Cruises »MS Katharina von Bora«

Die Einschiffung findet nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Hauptbahnhof statt und ist relativ unspektakulär: Papiere abgeben, den Impfausweis checken lassen und Fieber messen. Nach einem kleinen Gang zur Potsdamer St. Nikolaikirche am alten Markt gibt es um 17:30 Uhr die allgemeine Begrüßung. Alle Passagiere sind vollständig geimpft und das Schiff ist nicht voll besetzt. Bewegt man sich an Bord, ist eine Maske zu tragen – beim Frühstücksbuffet liegen Plastikhandschuhe, die bitte zu nutzen sind, wenn Zangen etc. angefasst werden. Klare Regeln und maximale Impfquote – besser und sicherer geht Urlaub aktuell wohl nicht.

Die nicko Cruises »MS Katharina von Bora« liegt vor dem Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee

Nach der Sicherheitsbelehrung und den allgemeinen Informationen genehmige ich mir vor dem Abendessen einen ersten Cocktail auf dem Sonnendeck, denn ausnahmsweise scheint die Sonne und muss genossen werden. Nach dem Abendessen zieht es mich noch einmal kurz auf das Sonnendeck, wo die Musik eines Konzertes im angrenzenden Park gehört und herumfahrende Haus- bzw. Partyboote angesehen werden können. Das klingt relativ unspektakulär, ist aber ein entspannendes Erlebnis im Sonnenuntergang.

Tag 2: Rundtour durch Potsdam und die Fahrt nach Brandenburg an der Havel

Nach dem Frühstück begeben sich die Ausflügler in einen bereitgestellten Bus, um eine geführte Tour durch Potsdam zu erleben. 2014 durfte ich schon einmal Teil einer derartigen Tour sein; die 2021er Tour finde ich allerdings besser. Das liegt zum einen an dem Mix, gefahren zu werden und ein wenig herumzulaufen, zum anderen an den geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten und dem sehr guten Guide.

Die erste Station der Ausfahrt ist die Glienicker Brücke, die auch als Agentenbrücke bekannt ist. Zwischen 1964 und 1986 wurden hier 40 Gefangene des Kalten Krieges ausgetauscht. Der Bus fährt uns auf die Berliner Seite des Ufers. Wir laufen über die Brücke zurück nach Potsdam und werden nebenbei vom Guide mit allerhand Wissen über die zur Verfügung gestellten Headsets beschallt. Der nächste Stopp unserer Tour ist das Schloss Cecilienhof, wo das Potsdamer Abkommen 1945 unterschrieben und Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt wurde.
Weiter geht es zum wohl berühmtesten Spot in Potsdam: das Schloss Sanssouci mit seinem atemberaubenden Park. Es wird einmal umrundet, damit es zum letzten Haltepunkt der kleinen Tour geht – dem holländischen Viertel.
Es zählt mittlerweile zu den beliebtesten Vierteln in Potsdam und ist wunderbar anzusehen. Um 1734 wurden holländische Handwerker nach Brandenburg gelotst, die Häuser mit den typischen Giebeln bauten und heute in vier Quartieren für einen einmaligen Look sorgen.

Noch vor dem Mittagessen legt die MS Katharina von Bora in Potsdam ab. Über die Havel gleiten wir Richtung Wannsee und sehen allerhand Sehenswürdigkeiten links und rechts entlang der Ufer. Während wir Mittag essen wendet das Schiff. Wir fahren zuerst zurück Richtung Potsdam und dann parallel zur Glienicker Brücke über die Havel und verschiedene, ineinander übergehende Seen weiter nach Brandenburg an der Havel.

Hier legen wir um 17 Uhr an und haben etwas Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Es ist schon leicht kurios, dass wir am 10. Todestag von Loriot viele seiner lebensgroßen Waldmops-Skulpturen sehen, die seit 2015 im Stadtgebiet Brandenburgs an der Havel an verschiedenen Stellen aufgestellt sind. Loriot ist gebürtiger Brandenburger und Ehrenbürger der Stadt.

Tag 3: Von Brandenburg an der Havel zieht es uns weiter nach Magdeburg

Wir verlassen das Bundesland Brandenburg und fahren in Richtung Sachsen-Anhalt. Das Schiff setzt sich um 6:30 Uhr in Bewegung und um 8 Uhr findet die erste Schleusung statt. Ab Wusterwitz wechseln wir vom tiefer liegenden Wendsee in den Elbe-Havel-Kanal, um unseren nächsten Stopp in Burg anzufahren. Die Schleusung erlebe ich während des Frühstücks. Es regnet übrigens mal wieder und die Vorhersagen für die weitere Reise sind auch nicht so berauschend.

Gegen Mittag erreichen wir Burg. Ein Teil der Passagiere wechselt vom Schiff in den Bus, um nach Magdeburg geshuttelt zu werden, wo eine Stadtführung angeboten wird. Wieder einmal zeigt sich, dass ein guter Guide einem eine Stadt so schmackhaft machen kann, dass ein weiterer Besuch in Erwägung gezogen wird. Magdeburg gehört dazu und könnte gerade in der Vorweihnachtszeit ein Geheimtipp sein.

Während die meisten Menschen der MS Katharina von Bora durch Magdeburg gefahren werden und allerhand erfahren, erleben die restlichen Passagiere auf dem Schiff die Fahrt über das Wasserstraßenkreuz Magdeburg, wo der Elbe-Havel-Kanal mit einer Trogbrücke über die Elbe führt und etwas später zum Mittellandkanal wird. Hier befindet sich auch das Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee, vor dem unser Schiff die Nacht verbringen wird.

Tag 4: Ausflug nach Magdeburg und weiterfahrt nach Wolfsburg

Wer früh aufsteht, hat die Chance, mit dem Bus ein weiteres Mal nach Magdeburg zu fahren. Da die MS Katharina von Bora seit dem Vorabend in Magdeburg-Rothensee liegt, dauert die Fahrt auch nur noch ca. 15 Minuten bis zum Magdeburger Stadtzentrum mit dem imposanten Dom. Wer will, nimmt an einer Kirchenführung teil – für den Rest steht Freizeit auf dem Programm.
Ich selbst entscheide mich für die Freizeit und gehe an die Elbe, um zu gucken, was dort los ist. Ein Problem der Elbe ist der aktuelle Wasserstand, denn er ist nicht sehr hoch. Darum sehe ich leider nicht so viel Interessantes am Elbe-Radweg.

Aber der frische Wind bei blauem Himmel und Sonnenschein ist trotzdem hervorragend und stimmt mich auf meine größte Herausforderung am vierten Tag der Reise ein: knipse ein passables Foto vom Hundertwasserhaus.

Gegen 12:30 Uhr ist die Ausflugsgruppe wieder auf dem Schiff und es geht zurück vom Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee in den Elbe-Havel-Kanal, der ab hier zum Mittellandkanal wird. Nächster geplanter Halt: Rühen.

Da es in Wolfsburg einen freien Liegeplatz gibt, entfällt die Übernachtung in Rühen und beschert uns ein paar Bonusstunden in der Autostadt. Darum geht es nach dem Essen auch noch recht spontan auf das Gelände der VW-Autowelt, die zur blauen Stunde natürlich 1a zum fotografieren einlädt.

Tag 5: nicko Cruises fährt weiter von Wolfsburg nach Hannover

Der Vormittag in Wolfsburg wird von den Passagieren unterschiedlich genutzt. Die einen zieht es ins Outlet-Center, andere bummeln durch die Stadt, wieder andere machen sich auf dem Weg zum Schloss oder besuchen die VW-Autowelt bei Tag. Der Vorteil an Wolfsburg: eine Brücke verbindet alles, so dass man auf kurzen Wegen fast alle Highlights der Stadt erleben kann.

Nachdem wieder alle pünktlich an Bord sind, legt die Katharina von Bora planmäßig ab, um nach ca. einer Stunde wieder zum Stehen zu kommen. An der Schleuse Sülfeld beträgt die Wartezeit zwei Stunden, denn Berufsschiffe haben Vorfahrt. In der Schleuse werden zwei Stunden später neun Meter Höhenunterschied ausgeglichen. Die Fahrt auf dem Mittellandkanal gen Hannover geht weiter. Gefühlt erhöht sich die Frequenz der entgegenkommenden Binnenschiffe. Ansonsten ist mal wieder alles entspannt im Kanal. Den Nordhafen Hannover erreichen wir im Dunkeln gegen 23 Uhr und sind gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet.

Tag 6: Die »MS Katharina von Bora« und das Wasserstraßenkreuz in Minden

Wach werden – frühstücken – ab in den Bus. Florian ist unser Guide und zeigt uns in drei Stunden Hannover. Zwei Ausstiege sind geplant: einmal am neuen Rathaus sowie in der Altstadt, wo es auch einen kleinen Bummel entlang der Marktkirche, der Knochenhauerstraße und über den Ballhofplatz gibt. Hannover zeigt sich wettertechnisch von einer guten Seite (also kein Regen), allerdings ist auch dieser Ausflug wieder einmal zu kurz geraten. Florian reißt mit seiner charmanten Art viele wichtige Themen in und über Hannover an, aber auch ihm fehlt die Zeit, der Gruppe vieles detailliert während eines Fotostopps zu zeigen und zu erläutern. Trotz eines kleinen Verbummlers sind wir wieder pünktlich am Schiff und können weiterfahren.

Das Highlight an Tag 6 wird das Schiffskreuz Mittellandkanal | Weser in Minden sein, das auch frühzeitig angekündigt wird und so ziemlich alle Passagiere auf das Sonnendeck zieht. Die Kameras und Handys werden ausgerichtet, damit jeder DAS Foto der Reise knipsen kann.

Ein paar hundert Meter hinter dem Kreuz legt unser Schiff an. Die Freizeit vor dem Abendessen wird genutzt, um zum Drehkreuz zurück zu gehen und um dort zu merken, dass die ganze Foto-Aufregung auf dem Sonnendeck eigentlich umsonst war. Die Brücke ist komplett begehbar, so dass in Ruhe Fotos gemacht werden können.

Das einzige Problem: wie so oft auf dieser Reise sitzt uns wieder einmal die Zeit im Nacken und das richtige Fotowetter ist erst vorhanden, als das Essen serviert wird.
Gerade an diesem Abend sind sich die Schiffsreisenden einig, dass unser Stop in der Stadt Minden zu kurz geraten ist. Nicht alle sind zum Wasserkreuz zurückgegangen, sondern einige auch in die Stadt gespurtet und von ihrem Charme begeistert.

Tag 7: Vom Mittellandkanal in den Dortmund-Ems-Kanal nach Münster

An Tag 7 teilt sich die Schar der Gäste wieder in zwei Gruppen. Der eine Teil nimmt am Ausflug teil, der andere Teil bleibt auf dem Schiff und fährt weiter. Zum ersten Mal dieser Reise entscheide ich mich dafür, nicht am Ausflug teilzunehmen. In Minden fährt der Bus nach Hameln ab und wird gegen Mittag die Mitfahrenden in Bad Essen absetzen, wo das Schiff mittlerweile angelegt hat.

Natürlich ist die berühmte Rattenfängerstadt Hameln einen Ausflug wert, ich entscheide mich aber für die spannendste Passage des Mittellandkanals. Mittlerweile wurde das Sonnendeck abgebaut, denn die Brücken sind ab jetzt so tief, dass oben niemand mehr sitzen kann. Das war schon kurz vor Minden kritisch, wo entspanntes auf dem Stuhl sitzen und den Kopf einziehen nicht mehr half und es teilweise zu »Duck and Cover« Situationen kam.

Während es am Nachmittag mehr oder weniger regnet, biegen wir gegen 18:30 Uhr das letzte Mal ab und das Flussschiff wechselt vom Mittellandkanal in den Dortmund-Ems-Kanal.

Bevor wir Münster erreichen, wird an der Schleuse Münster ein letztes Mal das Schiff magisch vom Wasser angehoben und auf einen neuen Pegel gebracht. Gegen 22:30 Uhr laufen wir in den Stadthafen Münster ein – dem angesagtesten Viertel der Stadt. Das merken vor allem die Gäste des Oberdecks, wird doch bis tief in der Nacht in den Bars und Kneipen neben dem Schiff gefeiert.

Tag 8: In Münster die nicko Cruises »MS Katharina von Bora« verlassen

Am letzten Tag klingelt der Wecker um 6:15 Uhr, denn spätestens um 7:30 Uhr werden die Koffer vor den Kabinen für die Ausschiffung zusammengesammelt. Während einige Gäste das Schiff direkt verlassen, nehmen andere an der Stadtführung um 8 Uhr teil. Ich gehöre dazu und lasse mir einige tolle Plätze der Stadt zeigen. Auch hier ist der Guide wieder einmal sehr gut aufgelegt und macht Lust, mehr von Münster erleben zu wollen.

Gegen 11 Uhr wird unsere Gruppe am Bahnhof verabschiedet und die acht Tage Urlaub auf der MS Katharina von Bora sind offiziell vorbei. Ich bleibe noch bis 15 Uhr in Münster, damit ich auf eigene Faust herumlaufen und Fotos machen kann. Also geht es noch einmal in den Stadthafen Münster, wo die MS Katharina von Bora liegt und auf die neuen Gäste am Nachmittag für die Rückfahrt wartet.

Im Stadthafen Münster siedeln sich immer mehr junge und hippe Unternehmen an, die den Charme des alten Hafengebiets kreativ nutzen und dadurch natürlich viele Gäste anziehen.

Weil Münster eine berühmte Fahrradstadt ist, dürfen natürlich auch dementsprechende Fotos nicht fehlen, die am und um den Bahnhof aufgenommen werden.

Gut gelaunt und entspannt geht es am Nachmittag aufs Bahngleis. Mein Zug hat zuerst fünf Minuten Verspätung und dazu folgt die Ansage beim Eintreffen des Zuges, dass die Sitzplatzreservierungen nicht genutzt werden können. Zwischen Bremen und Hamburg gibt es zudem einen Oberleitungsschaden. Deswegen kommt der IC mit 40 Minuten Verspätung in Hamburg-Altona an. Der Anschlusszug nach Westerland/Sylt ist natürlich schon weg und der nächste Zug in die Richtung fällt aufgrund von technischen Störungen aus. Die Bahn hat es eiskalt geschafft, eine Woche Entspannung in vier Stunden kaputt zu machen.

Für wen ist die Fahrt mit dem Flusskreuzfahrtschiff MS Katharina von Bora?

Wer auf Entschleunigung setzt, vorbeiziehende Natur entlang der Flüsse und Kanäle erleben will UND einen kurzen Blick in Städte wie Potsdam, Brandenburg an der Havel, Magdeburg, Wolfsburg, Hannover, Hameln oder Münster erhaschen will, wird diese Reise mögen.
Eine Mitreisende betonte, dass sich Teilnehmende darüber im klaren sein müssen, dass es eine Flussschifffahrt und keine Städtereise ist.
Da die MS Katharina von Bora nur tagsüber fährt und nachts in Häfen oder an Promenaden liegt, verschlafen Mitreisende keinen Millimeter zwischen Potsdam und Münster.

Bildinfo:
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Allgemeine Information:
Vielen Dank an nicko cruises Schiffsreisen GmbH für die Einladung und die Organisation!

Hierbei handelt es sich nicht um einen detaillierten Bericht von allen Erlebnissen, sondern ist nur ein grober Abriss des Verlaufs der Fahrt. Schließlich willst Du es vielleicht selbst erleben?! 😉

Kontakt:
nicko cruises Schiffsreisen GmbH
Mittlerer Pfad 2
70499 Stuttgart

Telefon: 0711 / 24 89 80 – 44
Fax: 0711 / 24 89 80 – 77

E-Mail: info@nicko-cruises.de